Genau lesen (114) – Perlen vor die Schweine

Online seit dem 11.01.2015, Bibelstellen: Matthäus 7,6

Was bedeutet es, dass wir das Heilige nicht den Hunden geben dürfen und Perlen nicht vor die Schweine werfen sollen?

Erste Antwort: Wir sollen das Evangelium nicht an solche weitergeben, die darüber spotten und geifern.

Zweite Antwort: Wir sollen „kostbare Glaubenswahrheiten“ nicht vor Ungläubigen ausbreiten.

Ein Aber zu der ersten Antwort: Wo ist denn der Gedanke in der Schrift verankert, dass es verboten ist, das Evangelium weiterzusagen? Natürlich muss man Ungläubige auch mal „ihren Weg gehen lassen“. Aber man kann das Gleichnis doch nicht so umdeuten: Man wirft das „Heilige“ und die „Perlen“ hin. Wenn man merkt, dass die „Säue“ die „Perlen“ zertreten und die „Hunde“ angreifen, dann nimmt man die „Perlen“ und das Heilige wieder an sich und wirft nichts Neues hin.

Ein Aber zu der zweiten Antwort: Wenn man bestimmte Lehren Ungläubigen nicht bringen darf, dann dürfte man streng genommen auch keine Bibel verschenken (auch wenn es wahr bleibt, dass wir bestimmte Lehre nicht vor Ungläubigen auswalzen sollten, wie zum Beispiel die Auserwählung). Und kann nicht jede Lehre verunglimpft werden?

Deshalb sollte man es vielleicht so sagen: Wir sollten diese Wahrheiten den Ungläubigen nicht so vorstellen, als wäre das Gesagte ihr „Eigentum“, als würde es ihnen gehören oder zustehen.

Wenn ein Ungläubiger in eine Zusammenkunft der Heiligen kommt, so mag dort jemand über das Friedensopfer sprechen, aber es muss eben doch auch deutlich werden, dass dieses heilige Opfer nicht als Nahrung für solche taugt, die noch in ihren Unreinigkeiten und Sünden sind.

Werden nicht auf Beerdigungen oft den ungläubigen Angehörigen die ganzen Tröstungen und Sicherheiten des Wortes Gottes zugesprochen und der Vorstorbene „in den Himmel gepredigt“? Ist das nicht das so ein Werfen des Heiligen vor die Hunde?

Gerrid Setzer