Genau lesen (125) - Sohn des Menschen im Himmel

Online seit dem 17.08.2018, Bibelstellen: Johannes 3,13

In dem Gespräch mit Nikodemus spricht der Herr Jesus davon, dass die göttlichen Personen das verkündigen, was sie gesehen haben, und so würde er nun von dem Himmlischen reden (Joh 3,11.12). Und dann sagt er: „Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ (Joh 3,13).

Oft wird zu dieser Stelle ungefähr Folgendes gesagt: „Der Herr Jesus ist wahrer Mensch geworden und lebte auf der Erde. Doch gleichzeitig ist er wahrer Gott. Deshalb war er auch im Himmel, als er auf der Erde war, denn Gott ist einer und die Personen der Gottheit können zwar unterschieden, jedoch nicht voneinander getrennt werden. Und so war Christus auch im Himmel, als er auf der Erde.“

Diese Aussage ist zwar an sich richtig und das Thema ist auch sehr tiefgründig. Und deshalb ist es schwer, dagegen etwas zu sagen, ohne missverstanden zu werden. Mir scheint aber, dass diese Erklärung nicht gut in den Zusammenhang dieses Kapitels passt. Denn der Herr Jesus will Nikodemus doch keine Belehrungen über die Unergründlichkeit seiner Person an dieser Stelle geben (= wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person); er will doch vielmehr zeigen, warum gerade er die himmlische Dinge verkündigt hat bzw. verkündigen konnte.

Er verkündigte das Himmlische, weil er der Einzige ist, der in seiner eigenen Macht in den Himmel hinaufsteigen konnte (während Elia und Henoch nur in den Himmel aufgenommen wurden), da der Himmel der Ort ist, wo er völlig zu Hause ist und wo er alle Anrechte hat. Es ist diese Person, die auch aus dem Himmel herabgestiegen ist (was auch von niemand sonst gesagt werden kann). Und nicht nur das: Als der Sohn des Menschen diese Worte auf der Erde redete, war er im Geist im Himmel (Alford: „dessen Platz im Himmel ist“). Er war allezeit im Schoß des Vaters. Der Sohn des Menschen war im Himmel. Deswegen gab es niemand anders, der die himmlischen Dinge verkündigen konnte.

Zwei sehr gute Bibelausleger haben es so ausgedrückt:

„Im Geist wohnte er allezeit bei seinem Vater, denn selbst als er auf der Erde war, war er ,der Sohn des Menschen, der im Himmel ist‘ [Joh 3,13]“ (W. Kelly).

„Er kam, um uns die himmlischen Dinge zu offenbaren, und lebte als Mensch darin, während er sich gleichzeitig fortwährend in den himmlischen Örtern aufhielt. So war es möglich, dass er als Mensch auf dieser Erde war und uns gleichzeitig das Himmlische in all seiner Frische offenbaren konnte“ (J.N. Darby).

Gerrid Setzer